Welche Religionen gibt es in Japan?
Japan besitzt zwei Hauptreligionen
mit langer einheimischer Tradition: Buddhismus und Shintō. Diesen sind die meisten Artikel dieser Website gewidmet. Daneben
existieren aber auch noch andere Religionen in Japan. Auf dieser Seite folgt
dazu ein kurzer Überblick, dem auch zu entnehmen ist, welche religiösen Richtungen
auf welchen Seiten von Religion-in-Japan besprochen werden. Außerdem
enthält die Seite eine kleine Statistik zu den wichtigsten Religionsgemeinschaften.
Japan besitzt zwei Hauptreligionen
mit langer einheimischer Tradition: Buddhismus und Shintō. Diesen sind die meisten Artikel dieser Website gewidmet. Daneben
existieren aber auch noch andere Religionen in Japan. Auf dieser Seite folgt
dazu ein kurzer Überblick, dem auch zu entnehmen ist, welche religiösen Richtungen
auf welchen Seiten von Religion-in-Japan besprochen werden. Außerdem
enthält die Seite eine kleine Statistik zu den wichtigsten Religionsgemeinschaften.
Die meisten Japaner besuchen
sowohl buddhistische Tempel als auch shintōistische Schreine und praktizieren
dort die jeweiligen religiösen Riten. Viele besitzen darüber hinaus sowohl
einen buddhistischen Hausaltar (butsudan) als auch einen shintōistischen Hausschrein (kamidana). Weder aus der Sicht des japanischen
Buddhismus, noch aus der Sicht des Shintō gibt es ein Problem, wenn man die
jeweils andere Religion praktiziert. Wie das funktioniert und worin überhaupt
die Unterschiede zwischen Buddhismus und Shintō bestehen, ist eines der
zentralen Themen dieser Website.
Sonstige Strömungen
Chinesische Religionentop↑
In China entstandene religiöse Strömungen wie Konfuzianismus
und Daoismus bzw. die Yin Yang Philosophie spielen auch in
Japan eine große Rolle, allerdings nicht als eigenständige
Religionsgemeinschaften,
sondern in einer in den Buddhismus oder den Shintō eingebundenen Form. Sowohl
im japanischen Buddhismus als auch im Shintō stößt man also auf Lehren oder
Bräuche, die ursprünglich in China entwickelt wurden.
Monotheistische Religionentop↑
Etwa zwei
Prozent aller Japaner bekennen sich zum Christentum. Das moderne japanische
Christentum stellt somit eine verhältnismäßig kleine religiöse Minderheit
dar und wird daher innerhalb dieser Website nur am Rande behandelt; im
Kapitel „Geschichte“ gibt es jedoch
eine Seite über die Anfänge der christlichen Missionierung und die anschließenden
Christenverfolgungen im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert (Das „christliche Jahrhundert“).
Die geringe Anzahl von Christen erstaunt besonders im Vergleich mit Südkorea,
wo etwa ein Drittel der Bevölkerung dem Christentum angehört.
Während
es in China sehr zahlreiche muslimische und sogar jüdische Minderheiten gibt,
hat der Islam in Japan keine längere Tradition und wird lediglich von einer
kleinen Minderheit islamischer Migranten praktiziert. Das Judentum hat in
Japan gar nicht Fuß gefasst, dafür gibt es ein paar populäre Theorien, die ein
Naheverhältnis zwischen Japaner- und Judentum postulieren.
Eine
größere Bedeutung in der gegenwärtigen religiösen Landschaft Japans kommt
neureligiösen Bewegungen und Sekten zu, die sich seit dem neunzehnten Jahrhundert
in mehreren Wellen in der modernen Gesellschaft ausgebreitet haben. Obwohl
diese Bewegungen aufgrund ihrer teilweise extremistischen Ansichten und
Praktiken immer wieder im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen und obwohl
sie ganz allgemein einen signifikanten Aspekt der modernen Religionsausübung
in Japan darstellen, liegt der Schwerpunkt dieses Web-Handbuchs auf den
traditionellen Glaubensformen. Dies vor allem deshalb, weil meiner Meinung
nach auch die meisten Neuen Religionen nur verständlich werden, wenn man den
religiösen und mentalen Grundstock, auf dem sie gedeihen, besser kennt. Ein
kurzer Überblick findet sich aber im Kapitel Geschichte.
Die südlichsten
Inseln des heutigen Japan, die Inselkette Okinawa, bildeten lange ein eigenes
Königreich. Noch heute unterscheiden sich die religiösen Traditionen
Okinawas von denen der Hauptinseln.
Im Norden
Japans findet man wiederum Reste der Ainu-Kultur. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts
lebten viele Ainu als Jäger und Sammler und praktizierten eine eigene, auf
diese Lebensweise ausgerichtete Religion. Infolge physischer Ausrottung und
eines starken Assimilationsdrucks ist die Ainu-Bevölkerung in Japan auf
wenige zehntausend zurückgegangen und auch ihre Religion wird kaum noch
praktiziert.
Religionen in Zahlentop
Die
folgende Tabelle soll eine Vorstellung von den Größenverhältnissen der verschiedenen
Religionsgemeinschaften in Japan vermitteln.1 Die Angaben sind allerdings nur als ungefähre
Richtwerte zu verstehen, da insbesondere die Anzahl der Gläubigen nicht
aufgrund einer einheitlichen Methode ermittelt wurde.2
Religion
|
Jahr
|
Anhänger
|
Priester
|
Kultstätten3
|
Shintō
|
2012
|
100.940.000
|
85.000
|
88.720
|
2000
|
107.953.000
|
82.000
|
89.183
|
|
1985
|
115.602.000
|
102.000
|
90.832
|
|
Buddhismus
|
2012
|
85.139.000
|
339.000
|
85.238
|
2000
|
95.420.000
|
305.000
|
86.586
|
|
1985
|
92.065.000
|
269.000
|
84.613
|
|
Christentum
|
2012
|
1.908.000
|
29.000
|
9.277
|
2000
|
1.772.000
|
29.000
|
9.328
|
|
1985
|
1.688.000
|
22.000
|
8.616
|
|
andere
(Neue)
|
2012
|
9.114.000
|
213.000
|
36.954
|
2000
|
10.221.000
|
265.000
|
41.020
|
|
1985
|
14.444.000
|
253.000
|
42.027
|
|
Einwohnerzahl
Japans: ~130 Mill.
|
||||
Aus
diesen Zahlen lassen sich folgende allgemeine Schlüsse über die Größenverhältnisse
der einzelnen Religionsgemeinschaften ziehen:
1. Die überwiegende Mehrzahl aller
Japaner bekennt sich sowohl zum Shintō als auch zum Buddhismus. Grob gesprochen
sind mehr als drei Viertel aller Japaner sowohl Shintōisten als auch Buddhisten.
Der Buddhismus verfügt zwar über etwas weniger Anhänger und Tempel als der
Shintō, dafür aber über weit mehr Priester. Aufgrund der obigen Zahlen kommt
ein buddhistischer Geistlicher im Schnitt auf ca. 250 Laien. Im Shintō ist
hingegen ein einziger Priester für mehr als 1000, also viermal so viele Gläubige
verantwortlich. Ja, es gibt sogar mehr Shintō-Schreine (rel. Körperschaften)
als Priester. Daraus lässt sich bereits folgern, dass der Buddhismus religiös
aktiver ist als der Shintō. Die Tatsache, dass der Buddhismus mehr Geistliche
als der Shintō beschäftigt, lässt auch Rückschlüsse auf das wirtschaftliche
Kräfteverhältnis der beiden Religionen zu. Schließlich kann man erkennen,
dass die Zahl buddhistischer Priester in den letzten dreißig Jahren stetig
zunimmt, während Shintō-Priester weniger werden. Interessanterweise korreliert
der Anstieg des Klerus jedoch nicht mit dem Anstieg der Gläubigen.
2. Zum Christentum bekennen sich
nach dieser Statistik kaum zwei Prozent der Bevölkerung, wobei die Anzahl der
Christen laut der oben angeführten Quelle1 um 2010 eine Spitze von knapp drei Millionen
erreichte und dann wieder auf unter zwei Millionen fiel. Grundsätzlich kann
man davon ausgehen, dass japanische Christen sich nicht gleichzeitig zu Shintō
und Buddhismus bekennen und sich mit ihrem Glauben stärker identifizieren
als die meisten nicht-christlichen Japaner. Das spiegelt sich auch im Grad der
religiösen Betreuung wider: Im Durchschnitt werden etwa 65 japanische
Christen von einem Priester betreut.
Knapp sieben Prozent aller Japaner bekennen
sich zu „anderen Religionen“, meist sogenannte Neue Religionen, die sich aus
Buddhismus oder Shintō herleiten. Bei den Neuen Religionen gibt es im Vergleich
zu den alteingesessenen Religionen signifikant mehr Geistliche und Tempel
(Körperschaften) im Verhältnis zu Gläubigen. Entsprechend höher ist auch das
generelle Engagement in diesen Religionsgemeinschaften. Im Gegensatz zum
Christentum ist der Zulauf zu den Neuen Religionen in den letzten Jahren
allerdings stark rückläufig.
Die meisten Japaner besuchen
sowohl buddhistische Tempel als auch shintōistische Schreine und praktizieren
dort die jeweiligen religiösen Riten. Viele besitzen darüber hinaus sowohl
einen buddhistischen Hausaltar (butsudan) als auch einen shintōistischen Hausschrein (kamidana). Weder aus der Sicht des japanischen
Buddhismus, noch aus der Sicht des Shintō gibt es ein Problem, wenn man die
jeweils andere Religion praktiziert. Wie das funktioniert und worin überhaupt
die Unterschiede zwischen Buddhismus und Shintō bestehen, ist eines der
zentralen Themen dieser Website.
Sonstige Strömungen
Chinesische Religionentop↑
In China entstandene religiöse Strömungen wie Konfuzianismus
und Daoismus bzw. die Yin Yang Philosophie spielen auch in
Japan eine große Rolle, allerdings nicht als eigenständige
Religionsgemeinschaften,
sondern in einer in den Buddhismus oder den Shintō eingebundenen Form. Sowohl
im japanischen Buddhismus als auch im Shintō stößt man also auf Lehren oder
Bräuche, die ursprünglich in China entwickelt wurden.
Monotheistische Religionentop↑
Etwa zwei
Prozent aller Japaner bekennen sich zum Christentum. Das moderne japanische
Christentum stellt somit eine verhältnismäßig kleine religiöse Minderheit
dar und wird daher innerhalb dieser Website nur am Rande behandelt; im
Kapitel „Geschichte“ gibt es jedoch
eine Seite über die Anfänge der christlichen Missionierung und die anschließenden
Christenverfolgungen im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert (Das „christliche Jahrhundert“).
Die geringe Anzahl von Christen erstaunt besonders im Vergleich mit Südkorea,
wo etwa ein Drittel der Bevölkerung dem Christentum angehört.
Während
es in China sehr zahlreiche muslimische und sogar jüdische Minderheiten gibt,
hat der Islam in Japan keine längere Tradition und wird lediglich von einer
kleinen Minderheit islamischer Migranten praktiziert. Das Judentum hat in
Japan gar nicht Fuß gefasst, dafür gibt es ein paar populäre Theorien, die ein
Naheverhältnis zwischen Japaner- und Judentum postulieren.
Eine
größere Bedeutung in der gegenwärtigen religiösen Landschaft Japans kommt
neureligiösen Bewegungen und Sekten zu, die sich seit dem neunzehnten Jahrhundert
in mehreren Wellen in der modernen Gesellschaft ausgebreitet haben. Obwohl
diese Bewegungen aufgrund ihrer teilweise extremistischen Ansichten und
Praktiken immer wieder im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen und obwohl
sie ganz allgemein einen signifikanten Aspekt der modernen Religionsausübung
in Japan darstellen, liegt der Schwerpunkt dieses Web-Handbuchs auf den
traditionellen Glaubensformen. Dies vor allem deshalb, weil meiner Meinung
nach auch die meisten Neuen Religionen nur verständlich werden, wenn man den
religiösen und mentalen Grundstock, auf dem sie gedeihen, besser kennt. Ein
kurzer Überblick findet sich aber im Kapitel Geschichte.
Die südlichsten
Inseln des heutigen Japan, die Inselkette Okinawa, bildeten lange ein eigenes
Königreich. Noch heute unterscheiden sich die religiösen Traditionen
Okinawas von denen der Hauptinseln.
Im Norden
Japans findet man wiederum Reste der Ainu-Kultur. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts
lebten viele Ainu als Jäger und Sammler und praktizierten eine eigene, auf
diese Lebensweise ausgerichtete Religion. Infolge physischer Ausrottung und
eines starken Assimilationsdrucks ist die Ainu-Bevölkerung in Japan auf
wenige zehntausend zurückgegangen und auch ihre Religion wird kaum noch
praktiziert.
Religionen in Zahlentop
Die
folgende Tabelle soll eine Vorstellung von den Größenverhältnissen der verschiedenen
Religionsgemeinschaften in Japan vermitteln.1 Die Angaben sind allerdings nur als ungefähre
Richtwerte zu verstehen, da insbesondere die Anzahl der Gläubigen nicht
aufgrund einer einheitlichen Methode ermittelt wurde.2
Religion
|
Jahr
|
Anhänger
|
Priester
|
Kultstätten3
|
Shintō
|
2012
|
100.940.000
|
85.000
|
88.720
|
2000
|
107.953.000
|
82.000
|
89.183
|
|
1985
|
115.602.000
|
102.000
|
90.832
|
|
Buddhismus
|
2012
|
85.139.000
|
339.000
|
85.238
|
2000
|
95.420.000
|
305.000
|
86.586
|
|
1985
|
92.065.000
|
269.000
|
84.613
|
|
Christentum
|
2012
|
1.908.000
|
29.000
|
9.277
|
2000
|
1.772.000
|
29.000
|
9.328
|
|
1985
|
1.688.000
|
22.000
|
8.616
|
|
andere
(Neue)
|
2012
|
9.114.000
|
213.000
|
36.954
|
2000
|
10.221.000
|
265.000
|
41.020
|
|
1985
|
14.444.000
|
253.000
|
42.027
|
|
Einwohnerzahl
Japans: ~130 Mill.
|
||||
Aus
diesen Zahlen lassen sich folgende allgemeine Schlüsse über die Größenverhältnisse
der einzelnen Religionsgemeinschaften ziehen:
1. Die überwiegende Mehrzahl aller
Japaner bekennt sich sowohl zum Shintō als auch zum Buddhismus. Grob gesprochen
sind mehr als drei Viertel aller Japaner sowohl Shintōisten als auch Buddhisten.
Der Buddhismus verfügt zwar über etwas weniger Anhänger und Tempel als der
Shintō, dafür aber über weit mehr Priester. Aufgrund der obigen Zahlen kommt
ein buddhistischer Geistlicher im Schnitt auf ca. 250 Laien. Im Shintō ist
hingegen ein einziger Priester für mehr als 1000, also viermal so viele Gläubige
verantwortlich. Ja, es gibt sogar mehr Shintō-Schreine (rel. Körperschaften)
als Priester. Daraus lässt sich bereits folgern, dass der Buddhismus religiös
aktiver ist als der Shintō. Die Tatsache, dass der Buddhismus mehr Geistliche
als der Shintō beschäftigt, lässt auch Rückschlüsse auf das wirtschaftliche
Kräfteverhältnis der beiden Religionen zu. Schließlich kann man erkennen,
dass die Zahl buddhistischer Priester in den letzten dreißig Jahren stetig
zunimmt, während Shintō-Priester weniger werden. Interessanterweise korreliert
der Anstieg des Klerus jedoch nicht mit dem Anstieg der Gläubigen.
2. Zum Christentum bekennen sich
nach dieser Statistik kaum zwei Prozent der Bevölkerung, wobei die Anzahl der
Christen laut der oben angeführten Quelle1 um 2010 eine Spitze von knapp drei Millionen
erreichte und dann wieder auf unter zwei Millionen fiel. Grundsätzlich kann
man davon ausgehen, dass japanische Christen sich nicht gleichzeitig zu Shintō
und Buddhismus bekennen und sich mit ihrem Glauben stärker identifizieren
als die meisten nicht-christlichen Japaner. Das spiegelt sich auch im Grad der
religiösen Betreuung wider: Im Durchschnitt werden etwa 65 japanische
Christen von einem Priester betreut.
Knapp sieben Prozent aller Japaner bekennen sich zu „anderen Religionen“, meist sogenannte Neue Religionen, die sich aus Buddhismus oder Shintō herleiten. Bei den Neuen Religionen gibt es im Vergleich zu den alteingesessenen Religionen signifikant mehr Geistliche und Tempel (Körperschaften) im Verhältnis zu Gläubigen. Entsprechend höher ist auch das generelle Engagement in diesen Religionsgemeinschaften. Im Gegensatz zum Christentum ist der Zulauf zu den Neuen Religionen in den letzten Jahren allerdings stark rückläufig.
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